Leavinghomefunction
Auf dem Landweg nach New York
Sonntag 24.11.19 // 19 Uhr

Nach dem Beenden ihres Kunststudiums, entschlossen sich fünf junge Künstler unter dem  Kollektivnamen «Leavinghomefunktion» die eigene Komfortzone zu verlassen, um sich selbst ein Bild von der Welt zu machen. Im Herbst 2014 verließen sie Halle an der Saale auf der Suche nach einem Landweg, der in Richtung Osten bis in den Westen führen würde. Zunächst durch Europa und die Länder der ehemaligen Sowjetunion, später durch die USA und Kanada.

Die Wahl des Vehikels war hierbei ausschlaggebend - die Ural 650. Sie gilt als robust, leicht zu reparieren - vor allem aber als extrem unzuverlässig. Gemächliches Vorankommen, zahllose Pannen und unglaubliche Abenteuer – beste Voraussetzungen, um mit Land und Leuten in Kontakt zu kommen. Denn eine Panne zu haben gleicht einer universellen Sprache, jeder kann das einfach verstehen und aktiv werden. Da keiner von ihnen jemals vor diesem Projekt Motorrad gefahren ist, standen die Künstler vor einer großen Herausforderung. Kompression, Zündzeitpunkt oder Ventilspiel waren alles Fremdworte beim Umgang mit den alten Ural Motorrädern, die als Transportmittel und mobiles Studio dienen sollten.

Eigentlich scheiterten sie jeden Tag, lernten aus ihren Fehlern und verstanden den Zufall für sich zu nutzen, um weiter zu fahren. Im ständigen Kampf gegen Wind, Wetter und russische Technik überwanden sie Berge aus Bürokratie, um auf abenteuerliche Weise herauszufinden, was Entfernung wirklich bedeutet. Kasachische Gewitter, mongolische Wüste, tausende Kilometer Wellblechpiste bzw. einfach gesagt eigentlich unbefahrbare Straßen und pausenlos gejagt von sibirischen Tigermücken. 300 km Sumpf, Flüsse und Schlamm und es zeichnete sich ab, dass die Dinge auf dem Landweg nach New York City zunehmend mühevoller bzw. unmöglich wurde. Es folgte der Wasserweg. Auf einem selbstentwickelten schwimmbaren Amphibien-Prototyp der Ural 650 fuhren sie 1600 km auf dem Fluss „Kolyma“, das von den Teufelsmotoren der 650iger Ural Maschinen angetrieben wurde und sie bis zur Mündung in den Arktischen Ozean führte. Nach der Beringstraße ging es an der Westküste bis nach Los Angeles und schließlich, mit vielen kleineren und größeren Umwegen, erreichten sie im Januar 2017, nach 2,5 Jahren und rund 45 000 Kilometern, das Ziel der Reise - New York City.

Ein fairer Tausch - Leunas Lichter gegen die New York City Skyline.

„Wenn ihr euch stilecht auf diesen Vortrag vorbereiten wollt, putzt euch die Zähne mit einem Zahnpasta-Sand-Gemisch, um den stetigen Steppen-Wind zu schmecken.
Schmeißt euer Navigationssystem aus dem Fenster, denn bald gibt es sowieso keine Straßen mehr.
Nehmt eine eiskalte Dusche direkt aus dem Gartenschlauch eures Nachbarn, um eine Vorstellung davon zu erhaschen, was es bedeutet, 1600 Kilometer den ungezähmten Lauf des Kolyma Flusses bis zum Nordpolarmeer hinunter zu fahren.“

Das Projekt „LEAVING HOME FUNKTION“: Gegründet 2014 von Johannes Fötsch (Jg. 1984), Elisabeth Oertel (Jg. 1985), Efy Zeniou (Jg. 1987) und Anne Knödler (Jg. 1985). Kaupo Holmberg (Jg. 1985) aus Estland stiess 2015 dazu. Alle fünf haben an internationalen Universitäten Bildende Kunst studiert. Ihre Reise „Auf dem Landweg nach New York“ verstehen sie als Kunstprojekt, mit dem sie eine weitreichende, internationale Vernetzung und die Auseinandersetzung mit ungefilterter Information aus erster Hand bezwecken wollten. Während der Reise verlagerten sie ihre künstlerische Arbeit vom Atelier in eine Art "mobiles Studio" in den Beiwagen ihrer Ural-Motorräder, die ihnen als ideale Plattform für diesen kulturellen Austausch dienten.